Kapitel 13 – Zerbrochene Wahrheiten
Der Morgen war ruhig.
Phirun stand in der Küche und blickte kurz zu den anderen.
?Geht alle erstmal duschen“, sagte er. ?Ich mache Frühstück.“
Alle drehten sich gleichzeitig zu ihm.
?Du machst Frühstück?“ fragte Somchai ungl?ubig.
Niran hob eine Augenbraue. ?Seit wann?“
Anan grinste. ?Das will ich sehen.“
Phirun winkte nur ab.
?Nun geht schon. Ich bekomme das hin.“
Die Wahrheit war jedoch eine andere.
Er wollte einfach nur allein sein.
Allein mit seinen Gedanken.
Mit Kaels Worten.
Hat deine Mutter dir erz?hlt, wer sie wirklich ist?
W?hrend er Reis kochte, Gemüse schnitt und Eier briet, kreisten seine Gedanken immer wieder um denselben Satz.
Sie war diejenige, die entschieden hat, welches Kind es wird.
Sein Herz zog sich zusammen.
Wenig sp?ter kamen alle frisch geduscht zurück.
Der Tisch war gedeckt.
?Wow“, sagte Somchai beeindruckt. ?Du kannst wirklich kochen.“
Phirun stellte den letzten Teller ab.
?Lasst es euch schmecken.“
Dann nahm er sein Handtuch.
?Ich gehe schnell unter die Dusche.“
Als er im Badezimmer verschwand, sah Anan zu den anderen.
?Irgendwas stimmt mit ihm nicht.“
Niran nickte sofort.
?So kennen wir ihn nicht.“
Arin sah zur Tür.
?Ich schaue nach ihm.“
Er ging hinüber und klopfte.
?Phirun?“
Von drinnen kam sofort die Antwort:
?Komm rein, Anan.“
Anan ?ffnete die Tür und blinzelte überrascht.
?Woher wusstest du, dass ich es bin?“
Phirun l?chelte schwach.
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?Wie lange sind wir schon Freunde?“
Er schüttelte leicht den Kopf.
?Ich kenne dich zu gut.“
Anan lehnte sich an den Türrahmen.
?Ist alles okay bei dir?“
Phirun senkte den Blick und erz?hlte ihm von den Gedanken, die ihn seit Kaels Worten nicht loslie?en.
Als er fertig war, sagte Anan ruhig:
?Mach dir nicht zu viele Gedanken.“
Er klopfte ihm leicht auf die Schulter.
?Frag sie sp?ter einfach.“
Phirun nickte.
Anan ging zurück zu den anderen.
Als Phirun wenig sp?ter wieder ins Wohnzimmer kam, war sein Blick ernst.
?Das l?sst mir keine Ruhe.“
Alle sahen ihn an.
?Ich muss wissen, was Kael damit gemeint hat.“
Dann sagte er leise:
?Mama… bist du da?“
Die Luft im Raum wurde sanft.
Eine Stimme erklang.
Warm.
Vertraut.
?Ja, Liebling. Ich bin hier.“
Die Gestalt von Lalita erschien langsam im Raum.
Sie sah Phirun traurig an.
?Ich wusste, dass du mich rufen würdest.“
Phirun sah ihr direkt in die Augen.
?Du wei?t warum.“
Lalita nickte.
?Du m?chtest über das sprechen, was Kael gesagt hat.“
Phirun nickte.
Doch Lalitas Gesicht wurde ernst.
?Ich wei? nicht, wie du reagieren wirst, wenn du die Wahrheit kennst.“
Stille.
Dann sagte sie:
?Phirun… Kael und du seid verbunden.“
Ihre Stimme zitterte leicht.
?Weil… er dein Vater ist.“
Die Welt wurde still.
Niemand bewegte sich.
Phiruns Gesicht verlor jede Farbe.
?…was?“
Seine Stimme war kaum h?rbar.
Lalita senkte den Blick.
?Es ist die Wahrheit.“
Phiruns H?nde begannen zu zittern.
?Nein.“
Seine Stimme wurde lauter.
?Nein!“
Zum ersten Mal sahen sie ihn wirklich weinen.
Tr?nen liefen über sein Gesicht.
Doch gleichzeitig brannte Wut in seinen Augen.
?Warum hast du mir das verschwiegen?!“
Seine Stimme bebte.
?Du… Arin… Kawin… ihr wusstet es!“
Kawin trat einen Schritt n?her.
?Phirun—“
?NEIN!“
Die Schatten um ihn herum explodierten pl?tzlich.
Fenster vibrierten.
?Ihr habt mir die Wahrheit vorenthalten!“
Arin blieb ruhig.
?Wir wollten dich schützen.“
?SCHüTZEN?!“
Phiruns Stimme brach.
?Indem ihr mir verschweigt, dass der Mann, der uns t?ten will… mein Vater ist?!“
Lalita versuchte n?her zu kommen.
?Liebling—“
?Nenn mich nicht so!“
Die Schatten im Raum bebten.
?Ich habe euch vertraut!“
Seine Stimme wurde leiser.
Gebrochen.
?Ich dachte, ihr würdet mir die Wahrheit sagen…“
Er sah Kawin an.
Dann drehte er sich pl?tzlich um.
?Ich kann das nicht.“
Und verlie? das Haus.
?Phirun!“
Kawin rannte ihm sofort hinterher.
Er holte ihn drau?en auf der Stra?e ein. Die Morgensonne stand bereits über den D?chern von Bangkok.
?Bleib stehen!“
Phirun drehte sich wütend um.
?Lass mich in Ruhe!“
?Du kannst jetzt nicht einfach gehen!“
?Doch, kann ich!“
Kawin trat n?her.
?Du bist nicht allein.“
Phirun lachte bitter.
?Ach wirklich?“
Seine Augen waren voller Schmerz.
?Der Mann, der uns t?ten will, ist mein Vater!“
?Das ?ndert nichts daran, wer du bist!“
?Doch!“
Seine Stimme bebte.
?Vielleicht steckt das alles in mir! Vielleicht werde ich genau wie er!“
?Nein.“
Kawin sagte es ohne zu z?gern.
?Du bist nichts wie Kael.“
Phirun sah ihn lange an.
Dann sagte er leise:
?Du wei?t gar nichts.“
Er drehte sich um und ging einfach weiter durch die Stra?en.
Kawin blieb stehen.
Er wusste, dass Phirun gerade niemanden h?ren wollte.
Einige Stunden sp?ter
Der Nachmittag war l?ngst angebrochen.
In einem kleinen Park sa? Phirun auf einer Bank.
Neben ihm stand eine halb leere Flasche.
Er hatte mehr getrunken, als er wollte.
Seine Augen waren rot.
?Warum…“
Seine Stimme brach.
?Warum ich…“
Tr?nen liefen über sein Gesicht.
Er versuchte sie wegzuwischen.
Doch sie kamen immer wieder.
?Ich wollte nie so sein…“
Schritte n?herten sich.
Langsam.
Kawin.
Er hatte ihn die ganze Stadt über gesucht.
Und schlie?lich gefunden.
Phirun sa? dort, betrunken, weinend, v?llig ersch?pft.
Kawin setzte sich neben ihn.
Sag nichts.
Tat nichts.
War einfach da.
Nach einigen Sekunden bemerkte Phirun ihn.
?Du… schon wieder.“
Kawin antwortete ruhig.
?Ich gehe nicht.“
Phirun lachte schwach.
?Du bist stur.“
?Ja.“
Phirun senkte den Blick.
?Ich wollte nie so sein.“
Seine Stimme brach wieder.
?Ich wollte nie wie er sein.“
Kawin sah ihn ernst an.
?Du bist nicht wie Kael.“
Phirun schüttelte den Kopf.
?Du wei?t das nicht.“
Dann brach er wieder in Tr?nen aus.
Ohne nachzudenken zog Kawin ihn n?her.
Phirun lehnte sich gegen ihn.
Zum ersten Mal seit Stunden h?rte sein Zittern langsam auf.
Die Stadt um sie herum lebte weiter.
Autos.
Menschen.
Ger?usche.
Doch für einen Moment existierten nur sie beide.
Und der Kampf, der noch vor ihnen lag.
Fortsetzung folgt…

