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5. Shanna

  ?Nein“, sagte Shanna mit einem klaren Wort. ?Bitte entschuldigt, wenn ich vielleicht beleidigend klinge oder euch damit vor den Kopf sto?e“, redete sie weiter und blickte direkt in die goldenen Augen der Mondg?ttin. Sie erkannte das überraschte Gesicht des m?chtigen Wesens. ?Ich kann Euer Geschenk jedoch nicht annehmen.“ Stille herrschte... noch verst?rkt dadurch, dass Shanna wusste, wie intensiv sie in diesem Augenblick Ger?usche wahrnehmen konnte. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, denn sie erkannte die riesige Macht dieser G?ttin und zweifelte keinen Moment daran.

  ?Und warum nicht?“, drangen schlie?lich die ersten, nüchternen Worte der G?ttin an ihr Ohr.

  Shanna schluckte kurz und befeuchtete ihre pl?tzlich staubtrockenen Lippen. Deine H?nde liegen an den Hüften, die Finger verkrampfen sich leicht. ?Ich wei?, Neil ist eines Eurer Kinder, Mondg?ttin, aber… ich will ihn selbst zurückholen. Weil ich ihn als meinen Gef?hrten an meiner Seite m?chte.“ Sie sprach mit festerer überzeugung. ?Auch wenn es kaum m?glich scheint... ich habe genug Geschichten über das H?llen-Labyrinth geh?rt und gelesen. Ich wei? auch, dass Ihr G?tter enorme Macht und Ver?nderungen vornehmen k?nnen. Aber ich darf und kann mich jetzt nicht besitzen.“

  Die goldenen Augenbrauen der Mondg?ttin hoben sich leicht, und etwas blitzte in ihren Augen auf... Shanna konnte nicht genau erkennen, was es war. ?Dabei k?nnte ich dich viel besser, st?rker oder f?higer machen, als du jetzt bist“, sagte die G?ttin ruhig, als w?re es eine ungew?hnliche Tatsache. War vermutlich auch stimmte.

  ?Ja, vielleicht w?re es so“, antwortete Shanna ehrlich und mit gro?er überzeugung. ?Aber ich k?nnte damit nicht umgehen. Nicht jetzt. Ich muss Neil jetzt helfen ... nicht erst sp?ter , wenn ich gelernt habe, mit neuen Kr?ften oder Sinnen umzugehen Alles h?ren k?nnte, w?hrend ich mich eigentlich auf meine anderen Sinne verlasse.

  Ein tiefer Atemzug drang über die Lippen der Mondg?ttin, w?hrend sie noch immer vor Shanna stand und sie mit Augen von goldener Sch?nheit ansah. Kein Wunder, dass solche Legenden entstanden waren… sie besa?en wirklich makellose Sch?nheit. Selbst wenn Shanna nur vor dieser Frau stand. ?Wenn ich ehrlich bin… ich wollte dir in der Tat ein Geschenk machen, damit du h?ren kannst. Damit du keine Einschr?nkungen mehr hast. Damit du deinen Gef?hrten befreien kannst.“ Sie hielt inne und betrachtete Shanna eine ganze Weile, als versuchte sie, etwas tief in ihren Augen zu erkennen. ?Aber…“, setzte sie schlie?lich an, ?ich sehe deine Besorgnis und deine Beweggründe als eine logische Sicht an. Daran habe ich nicht gedacht.“ Die G?ttin trat n?her an sie heran und hob langsam eine Hand. Zart nahm sie eine der offenen schwarzen Str?hnen zwischen die Finger, die über Shannas Schulter fielen. ?Was würdest du dir stattdessen wünschen, wenn du die freie Entscheidung h?ttest?“

  Shanna runzelte kurz die Stirn und blickte einmal in die Richtung, wo Sorcha und Adair standen, die alles von der Seite aus beobachteten. Kaum trafen sich die Augen ihrer Freundin mit den ihren, l?chelte Sorcha bed?chtig und nickte einmal, w?hrend sie eine Hand auf ihr Herz legte. Shanna verstand diese Geste... sie durfte offen sprechen. Erst da wandte sie sich wieder der G?ttin zu. ?Im Augenblick wünsche ich mir nichts sehnlicher als Neil… mehr m?chte ich im Augenblick nicht. Ihm sagen, was ich wirklich fühle. Er hat es mir gegenüber stets offen getan… jetzt m?chte ich an der Reihe sein und das versuchen. Darum will ich ihn so schnell wie m?glich finden.“ Ihr Herz klopfte mit jedem Wort schneller in ihrer Brust. Ja, genau so fühlte sich Shanna... als wollte sie all diese Empfindungen, die in ihr tobten, endlich preisgeben. Neil gegenüber. Aber genau in dem Moment, als sie bereit gewesen war, hatte man ihn ihr genommen. Von jetzt auf gleich. Daher musste sie gehen.

  Auf dem Gesicht der Mondg?ttin erschien ein so sanftmütiges L?cheln, dass es Shanna in ihrem Inneren schmerzte. War es das, was Mütter bei ihren Kindern taten? ?Meinen Wolf kann ich dir nicht verwehren, weil er sich dich ausgesucht hat. Und bei solch einer Verbindung… dazwischen kann und werde ich mich nicht stellen. Wie auch immer diese Gef?hrtenbindung entstehen konnte... sie besteht eindeutig. Oft nimmt das Schicksal unbekannte Wege und Formen an. Ich verstehe auch deine Dringlichkeit“, fuhr die G?ttin fort. ?Aber sei gewiss... du hast keinen Funken deiner Zeit verloren, seit ich hier bin. Nur für einen Augenblick habe ich die Zeit eingefroren. Sobald ich fort bin, kannst du aufbrechen und deinen Gef?hrten zurückholen... das, was dir das Schicksal geschenkt hat.“ Es war wirklich Shannas gr??te Sorge gewesen... je l?nger sie hier stand und aufgehalten wurde, desto mehr Leid und Qualen, musste Neil erleiden. Das wollte sie verhindern. ?Daher werde ich dir einen Wunsch freier Wahl lassen, solltest du ihn brauchen. Was in meiner Macht steht, das werde ich dir gew?hren. Aber vorerst nimm das“, sprach die Mondg?ttin und erhob ihre Hand. Ein goldener Schein erglomm in ihrer Handfl?che und wanderte zu Shannas rechtem Handgelenk. Dort formte sich ein goldenes Armband mit verschn?rkelten Mustern... auf der oberen Seite prangte eine Mondsichel aus klarem Kristall. ?Dies gebe ich dir mit“, erkl?rte die G?ttin. ?Es stellt in erster Linie eine Verbundenheit her, die du unter all dem brauchst und damit du dich nicht alleine fühlst. Damit es dich auch wieder nach Hause leitet... aber auch, was meine verlorenen Wolfskinder nach Hause bringen soll. Es sammelt ihre Seelen auf.“

  Verwundert starrte Shanna auf das goldene Armband herab, das sich elegant an ihr Handgelenk angepasst hatte. Sie hatte keine Probleme damit, dass sie... wenn sie schon ins H?llen-Labyrinth gehen musste... nebenbei ein paar Seelen aufsammelte. Nicht, dass sie wirklich daran glaubte, aber sie respektierte diese hingebungsvolle Fürsorge. Zudem war es etwas, das sie nicht behinderte, wenn es erforderlich war. Nicht so etwas wie eine Halskette oder klimpernde Ohrringe. ?Ich verstehe… danke. Ich werde alles versuchen, was ich kann“, sagte Shanna nur und nickte.

  ?Das wei? ich“, antwortete die Mondg?ttin ruhig, richtete dann jedoch ihre Aufmerksamkeit auf Sorcha und Adair. ?Ich werde heute Abend bei der Abschiedszeremonie da sein“, sagte sie einfach... und verschwand, als w?re sie nie hier gewesen. Alles war wie zuvor. Shanna bekam ihre lautlose Stille zurück. Es war wirklich ungewohnt für sie, sich mit so vielen Ger?uschen auseinandersetzen zu müssen. Es überforderte ihren Verstand und überflutete sie mit Eindrücken. Wie damals, als sie in das Rudel aufgenommen worden war. Es hatte sich angefühlt, als würde ihr Kopf explodieren, weil so viele Stimmen gleichzeitig in ihrem Kopf ert?nten. Durch die Reizüberflutung hatte ihr Geist dichtgemacht, und sie war bewusstlos geworden. Das war ihr noch nie passiert... aber Neil war an ihrer Seite gewesen.

  Neil…

  Ihre Brust schmerzte, und ihr Zorn stieg wieder an, wenn Shanna nur daran dachte, wo sich dieser liebenswürdige, gutmütige Wolf jetzt befand. Ihr lodernder Blick richtete sich auf die beiden W?lfe, die schweigend neben ihr standen. ?Ich will…“

  ?Aye, das wissen wir“, unterbrach Sorcha sie l?chelnd. In ihren Augen funkelte eine wehmütige Emotion, w?hrend sie Shannas H?nde in ihre nahm. ?Wir m?chten nur, dass du auf dich aufpasst und ebenso zu uns zurückkommst wie mein Bruder. Ich mache mir genauso viele Sorgen... und allein die Vorstellung, was in diesem Augenblick mit ihm passiert… ich will es mir nicht vorstellen“, schluckte sie. Tr?nen der Trauer standen in ihren Augen. ?Hole ihn für uns zurück. Nach Hause… wohin ihr beide geh?rt.“

  Bei diesen Worten konnte Shanna nicht anders, als die Arme um den Hals ihrer Freundin zu schlingen. ?Das werde ich… versprochen“, hauchte sie. Sie wusste, dass Sorcha sie verstanden hatte, denn deren Arme schlangen sich ebenfalls in einer festen Umarmung um sie. Als brauchten sie beide diesen Augenblick des Haltes.

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  ?Shanna“, sagte Adair, und sie lenkte ihre Aufmerksamkeit auf ihn... auf ihren Alpha und Anführer. Sie hatte damit keinerlei Probleme, sich ihnen unterzuordnen.

  ?Danke, dass du so viel auf dich nimmst. Du bekommst alles, was du für diese Mission brauchst. Ich habe Craig über alles in Kenntnis gesetzt. Er hat ein Anrecht darauf und erwartet dich bei unserer Ausrüstungseinrichtung. Du hast freie Wahl bei allem.“

  Verwundert weiteten sich kurz ihre Augen, doch dann nickte sie. Shanna tat endlich die ersten Schritte. Sie musste gehen, und niemand würde sie aufhalten. Solange sie schon beim Rudelclan der MacKenzie war, hatte sie eine gute Orientierung bekommen, wo sich alles befand. Ohne Umschweife machte sie sich auf den Weg zum Ausrüstungslager. Von Weitem konnte sie schon den m?chtigen Hünen erkennen... Neils Vater. Er besa? eine beeindruckende Ausstrahlung. Die gleichen gütigen und sanften Augen wie Neil. Die gleiche imposante Erscheinung, wie er breitbeinig dastand, die Arme verschr?nkt. Die gleichen hellbraunen Haare, die vom Wind zerzaust wirkten.

  Vor ihm blieb Shanna stehen und blickte zu dem eindrucksvollen Wolf hinauf. Doch bevor sie etwas sagen konnte, schlangen sich seine Arme um sie und er zog sie in eine beschützende, liebevolle Umarmung. V?llig überrascht von der Geste Neils Vaters versteifte sie sich kurz. ?Wir alle MacKennas stehen in deiner Schuld“, sagte Craig in geistiger Verbindung zu ihr, weil sie in dieser z?rtlichen Umarmung seine Lippen nicht lesen konnte. ?Du bist ebenso ein Teil unserer Familie… seit du zum ersten Mal unser Heim betreten hast. Ich soll im Namen aller MacKennas sagen, wie wichtig du uns geworden bist und dass du sicher heimkehren sollst, mo nighean.“ Shannas Herz flatterte bei jedem Wort in ihrem Kopf immer schneller... wie winzige Schmetterlinge. Sie verstand seine letzten beiden Worte nicht, aber sie wusste, dass sie eine starke Bedeutung besa?en, weil er sie mit unglaublich viel Gefühl aussprach. Dass dieser Krieger... absolut loyal, stark und herzlich... solche berührenden Worte nicht einfach verschenkte. Nein, diese mussten verdient werden. Und sie erkannte... sie hatte es geschafft.

  Tr?nen stiegen ihr in die Augen... Tr?nen der Akzeptanz durch diesen unerschütterlichen Wolf. Shanna konnte noch nicht aus eigener Kraft die geistige Verbindung zu ihnen aufnehmen, aber sie würde es lernen. Mit jeder Facette von ihr. ?Wa… was bedeutet ?meine Familie‘ auf… eurer Sprache?“, fragte Shanna laut, auch wenn ihre Stimme erstickt aus ihrem Hals drang.

  Seine Brust bebte, w?hrend Craig sie noch immer umschlossen hielt. ?Mo teaghlach.“ Nur zwei Silben erreichten ihren Kopf... und doch erw?rmten sie ihr Innerstes. Sie brauchte diese Worte nicht wiederholen, weil dieser Wolf verstanden hatte, was Shanna damit ausdrücken wollte. Ja, diese W?lfe… diese anderen Wesen waren zu ihrer Familie geworden. Wovon sie immer getr?umt hatte. Eine Familie zu besitzen. Die sie umarmten, sch?tzten, Trost spendeten und all die W?rme gaben… die Shanna gerade in diesem Augenblick empfand... als ein Mann, der nicht ihr leiblicher Vater war, dennoch viel mehr war und gab, als sie sich je h?tte vorstellen k?nnen. Je l?nger Shanna hier war, je mehr wuchs sie hier hinein.

  Nach diesem kurzen mitfühlenden und w?rmenden Augenblick l?ste Craig sich von ihr, erkannte dae Shanna, dass in seinen braunen Augen ehrliche Emotionen steckten. Das machte diesen Moment noch greifbarer für sie. Natürlich würde dieser Wolf keine einfachen Worte sagen, die nicht ehrlich w?ren. Das machte es noch besonders und wertvoll. ?Komm mit, ich werde dir alles geben, was du brauchst“, sagte Craig und nickte ihr verst?ndnisvoll zu... als wollte er ihr zeigen, wie bedeutungsvoll diese Aufgabe war. Auch weil er Neils Vater Krieg und welch unerschütterliches Vertrauen er in sie gesetzt hat. Nein… sie alle gaben ihr dieses überma? an Vertrauen, das Shanna niemals brechen oder missbrauchen wollte. Also folgte sie ihm und nahm sich das alles mit, was sie für sinnvoll erachtete. Sie w?hlte nichts, das sie hinter sich lassen würde, und hoffte, dass es reichen würde.

  Am Ende reichte Craig ihr noch einen schwarzen Rucksack. ?Verpflegung von Kyleen und meiner Mutter Rhonna“, erkl?rte er. ?Sie wollten nicht, dass du ohne Proviant aufbrichst. Alles was du gerne magst und dir Kraft gibst. Sie w?ren gerne hier gewesen, aber… alle auf einen Fleck h?tten zu viel Aufmerksamkeit erregt und dein Aufbruch h?tte sich noch weiter in die L?nge gezogen. Das k?nnen wir nicht riskieren.“

  Allein dieses Geschenk bedeutete Shanna schon unendlich viel... dass sie an sie dachte und sie immer noch versorgt wurde. Wie am allerersten Tag, als sie die Türschwelle der MacKennas überschritten hatte.

  Kurz bevor Shanna wirklich aufbruchbereit war und die ersten Schritte gegangen waren, spürte sie Craigs Blick noch immer auf sich ruhen. Z?gerlich blieb sie stehen. Etwas tief in ihr verbrannte und wollte... nein, musste ... es wissen. Sie drehte sich ein letztes Mal zu ihm um. Craig hob verwundert die Augenbrauen. Erneut steht da wie eine beeindruckende, m?chtige Statue. ?Was bedeuten die Worte… mo nighean ?“

  Sofort erschien ein sanftes, liebevolles L?cheln auf seinem Gesicht, das seine rauen Züge weicher und freundlicher machte... schnell, als würde es seine m?chtige Gestalt für einen Moment ausblenden. ?Es bedeutet… meine Tochter .“

  Schottisches W?rterbuch:

  Mutter: Màthair

  Vater: Athair

  Bruder: Bràthair

  Onkel: Uncail

  Gro?vater: Seanair

  Gro?mutter: seanmhair

  Meine Herzen: mo chridhe

  Liebling: A ghràidh

  Meine Liebste: mo ghràidh

  Mein Schatz: mo ghràdh

  Meine Tochter: mo nighean

  Meine Familie: mo teaghlach

  Mein Alles: Mo shonuachar

  Mein kleines M?dchen: Mo nighean bheag

  Meine Seelengef?hrten: mo anam cara

  Mein Herz und meine Seele: Mo chridhe ?s mo anam

  Seelenbegleiter: Anam Chompanach

  Meine Fee: Mo shìthiche

  Meine Schwester: Mo phiuthar

  Meine geliebte Schwester: Mo phiuthar ghràidh

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