Neil hing mit gesenktem Kopf da, beide Arme zu den Seiten nach oben gestreckt, an coolen Ketten, die in der felsigen Decke verankert waren. Teilweise schnitt das Metall durch sein Gewicht in seinen Handgelenken, sodass kleine Blutrinnsale an seine Unterarmen hinabliefen. Seine Beine waren ebenfalls an Ketten gebunden, die um seine Fu?kn?chel lagen. Er hing mit F?ustlingen im Raum, umgeben von Tischen, Schr?nken und Regalen, die mit Utensilien ausgestattet waren. Die Neil in seinem ganzen Leben noch nie gesehen hatte. Sie sind fein s?uberlich in Reihen geordnet, als folgte alles einer strengen Systematik. Dazu die unz?hligen Flaschen in unterschiedlichen Farben, die sich in einer Ecke stapelten. In den Regalen konnte er klar und deutlich erkennen, wie Aug?pfel und andere undefinierbare Organe in einer gelblichen Flüssigkeit herumschwammen. Er wollte nicht darüber nachdenken... wem das alles geh?rte. überall stapelten sich Bücher... auf dem Boden oder in den Regalen, die sie zustopften. Alles in seinen Augen war nur ein reines Versuchslabor. Und diese Werkzeuge… sie stanken nach Blut. Er musste kein Experte sein, um zu wissen, dass es Instrumente der Folter waren.
Neil konnte nicht mehr sagen, wie lange er hier nackt hing und darauf wartete, dass dieses riesige Arschloch mit seinen Lakaien zurückkam und dort weitermachte, wo er aufgeh?rt hatte... als er so dringend hatte gehen müssen. Das war echt ein Witz. Neil hatte keine Ahnung, wo er sich offensichtlich befand. Als die feigen Bastarde ihn aus der Zelle geholt hatten, hatten sie ihn... und seinen Wolf... so gefügig gemacht... Durch die L?hmung war ihm nur eines aufgefallen... alles... egal ob Boden, W?nde oder die beschissene Decke... war reiner, grober Felsen, als bef?nde er sich in einer verfluchten H?hle... was vergleichbar mit dem Wort H?lle war. Egal ob G?nge oder Kammern... kahle, nackte W?nde, ausgestattet mit Fackeln, die scheinbar ewig verbrannten. Niemand erneuerte sie, und sie ging nie aus. Dazu kam der widerw?rtige Gestank… nach Blut, Tod und wer wei? was noch. Es rief übelkeit in ihm wach, und sein innerer Wolf winselte nur, weil er eine immense Gefahr spürte, die aus den Tiefen dieser felsigen G?nge lauerte. Als spüre sein Tier… dort lauerte etwas M?chtigeres und Grauenhafteres. Der Tod. Dazu die qualvollen Schreie, die wie ein Echo durch die G?nge pulsierten... als w?ren sie ein dauerhafter Herzschlag. Und es h?rte nie auf. In was für eine H?lle er sich hier überhaupt befand?
Eines war definitiv sicher... Neil musste einen Weg hier herausfinden, damit er nach Hause kam. Sie alle... sein ganzer Rudelclan... mussten sich riesige Sorgen machen, weil er auf einmal verschwunden war. Wussten sie, wo er sich befand? Suchten sie nach ihm? Unz?hlige Fragen schwirrten durch seinen Kopf, weil ihm keine andere M?glichkeit blieb... er kam nicht aus diesen verschissenen Ketten heraus. Nicht einmal mit seiner tierischen Bestie schaffte er es, sich daraus zu befreien. Wie jetzt… als Neil ruckartig an den eisernen Ketten zerrte, die sich noch tiefer mit einem lauten Klirren in sein Fleisch gruben.
?Du kannst dich nicht daraus befreien“, h?hnte eine amüsierte m?nnliche Stimme vom Eingang her.
Neils t?dlicher, brauner, glühender Blick richtete sich durch sein hellbraunes, schulterlanges Haar, das ihm wild in die Stirn gefallen war, auf die hagere Gestalt am Eingang. Ein m?rderisches Knurren rollte aus seiner Brust. Wie gerne würde er diesen Bastard in Stücke rei?en. Sein Wolf h?tte Vergnügen daran, seine scharfen Krallen an ihm zu wetzen. Er schwor sich hoch und heilig... er würde hier rauskommen, und dieser Dreckskerl w?re der Erste, der litt... gnadenlos in einzelne Fetzen zerlegt. Scheibe für Scheibe. Am besten noch… Neil würde ihn so lange am Leben lassen, damit er spürte, wie sich all das anfühlte, bevor er den L?ffel abgab. Aye, das war ein Gedanke, den er sich tief verankerte.
Violette Augen mit eiskalter Berechnung starrten ihn an. Graues, kurzes Haar, Falten im Gesicht, der Ausdruck des Wahnsinns… die hagere Gestalt in einem wei?en Kittel, als w?re das ein Markenzeichen unter Wissenschaftlern. Eine Brille rundete sein Aussehen ab... ein Nichts. ?Aus deinem Blick kann ich erkennen, dass du mich t?ten willst, Wolf“, spuckte er das letzte Wort voller Hass aus, und seine Augen sprühten vor Abneigung und Missbilligung. Oh aye, er wollte ihn t?ten... h?llisch. ?Das wollten schon viele, aber wie du siehst, stehe ich noch hier“, lachte er überlegen, ging zu dem Tisch mit seinen Instrumenten und nahm eine Eisenstange heraus, die wie ein Schürhaken aussah. Er ging zu einer Feuerstelle, die Neil nur halb sehen konnte, und legte sie halb hinein.
?Warten wir… es ab. Ist ja nicht so… dass ich abhauen kann“, lachte Neil sp?ttisch. Seine Stimme klang rau und animalisch. Mit Absicht lie? er seinen Wolf durchscheinen. ?Was auch immer du suchst… oder erhoffst… ich gebe dir… nichts.“
Der J?ger vor ihm lachte verspottend auf seine Worte. ?Das werden wir sehen. Bisher habe ich alle… gebrochen. Du wirst nicht anders sein, und ich werde bekommen, was ich will“, versprach er eiskalt. ?Ich habe immerhin alle Zeit der Welt und kann mich austoben, wie ich will“, erklang Begeisterung in seinen Worten, als ginge er schon alle Szenarien in seinem verschissenen, krankhaften Kopf durch. Neil war sich stets bewusst, dass sie unter den J?gern nie Zuspruch bekamen... weil sie in deren Augen Mythenwesen keine Daseinsberechtigung hatten. Daher nahmen sie sich alle Freiheiten heraus, alles mit ihnen zu machen, was sie sich vorstellten. Für sie waren Wesen keine Lebensform… sondern nur ein Spielzeug, das sie ruhig kaputt machen konnten... weil… es gab ja noch einige von ihnen. ?Aber wollen wir mal sehen, was du so aush?ltst. Einen gut gest?hlten K?rper besitzt du ja“, sagte er wohlwollend, als seine violetten Augen genüsslich an seinem nackten K?rper auf und ab wanderten... was Neils innere übelkeit nur verst?rkte. In seiner rechten Hand hielt er den Schürhaken am Griff, w?hrend das andere Ende vor Hitze glühte. Er sah das glühende Eisen auf sich zukommen… die bedachten Schritte des J?gers, sein überlegenes Grinsen und diese emotionslosen violetten Augen hinter der dicken, verdrahteten Hornbrille auf seiner Nase.
Dann… spürte Neil es... diesen sengenden Schmerz in seiner rechten Flanke. Seine Augen kniffen sich zusammen, sein Kopf fiel in den Nacken. Sein K?rper spannte sich b?umend zu einem harten Felsen an, w?hrend die Ketten rasselten. Er biss die Z?hne zusammen, die drohten zu zerbrechen, je fester er zubiss. Dazu dieses Zischen… er wusste nicht, ob es zwischen seinen Z?hnen entwich oder das, was gerade sein Fleisch verbrannte. Neil roch sofort das verbrannte Fleisch… sein eigenes verbranntes Fleisch.
In den n?chsten Malen... schon nicht mehr mitz?hlend, wie oft er das glühende Eisen auf seine Haut drückte... machte der J?ger ein markantes, überraschtes Ger?usch. ?Bemerkenswert…“, keuchte er voller Freude auf, als er sich Neils K?rper n?herte, seine Brille zurechtrückte und jedes verfluchte Mal die Stelle beobachtete, wo er ihn gebrandmarkt hatte. ?Zum ersten Mal sehe ich… wie schnell einer von euch verfluchten Wesen… eine solch derartige Regenerationskraft besitzt. Normalerweise braucht ihr eine Weile der Erholung, aber du… ooooh, du bist au?ergew?hnlich.“ Das entlockte ihm einen Ausruf purer Freude... und das auf Kosten von Neils Schmerz. ?Mal sehen, was du noch aush?ltst.“ Bei diesen Worten bohrte sich die glühende Spitze des Schürhakens in seinen Unterleib… brannte sich regelrecht durch sein Fleisch. Neil st?hnte auf und b?umte sich weiter in den eisernen Ketten auf. Sein innerer Wolf heulte vor leidvollem Schmerz… wollte ausbrechen, doch er war gefangen. Trotz all der h?llischen Qualen wollte Neil nicht schreien und dem Peiniger die Genugtuung geben, welche Pein er erlitt. Er musste nur an etwas anderes denken… an etwas, wonach er sich sehnte.
Sofort kam ihm der sehnsuchtsvolle Gedanke... wie gerne er Shannas Lavendelduft einatmen… in ihre hübschen violetten Augen blicken wollte... ein starker Kontrast zu denen des Peinigers. Dazu ihre sch?ne Stimme und ihre N?he. Ihr seidiges schwarzes langes glattes Haar, was durch seine Finger glitt. Ihre leicht ockerfarbene Haut berühren und schmecken. Aye, er musste nur an seine Seelengef?hrtin denken und daran, dass er sie wiedersehen konnte... um ihr endlich zu sagen, wie sehr sein Wolf und er sie anhimmelten. Nur diese Gedanken z?hlten jetzt… keine anderen. Wenn er an Shanna dachte, w?hrend er gefoltert wurde, dann k?nnte er alles durchstehen... und der Gedanke, wieder bei ihr zu sein. All das zu nehmen, was ihm vorher verwehrt geblieben war. Neil hatte sie noch nicht einmal geküsst… oh aye, wie gerne würde er mit seinen Lippen ihre schmecken. Alles von ihr … jeden Zentimeter ihres K?rpers.
?Schreie endlich“, sagte sein Peiniger missmutig und riss ihn aus seinen Gedanken. Ihm gefiel es nicht... und Neil wusste es.
Neil gluckste erstickt aus seiner Brust, als er auf den kleineren Mann hinabsah. ?Was… ist los? War das schon… alles?“, verh?hnte er lachend.
Ein m?rderisches Funkeln erschien in den Augen des J?gers. ?Dir wird das Lachen noch vergehen“, drohte er... und er hatte recht. Sein Lachen mochte verschwunden sein, aber nicht seine Gedanken und sein Wille durchzuhalten. Neil war ein stolzer Schotte, und sie gaben niemals auf… egal, was sie erleiden mussten. Ihr Wille war wie das Eisen dieser Ketten an seinen Hand- und Fu?gelenken. Ketten… die nicht gesprengt werden konnten.
Als Neil einige Zeit sp?ter reglos in den Ketten hing... seine Kr?fte mehr als an ihre Grenzen gekommen... h?rte Neil nur die eisige Stimme des Peinigers: ?Bringt ihn fort.“ Seine Augen tr?ge, nahm er mehrere Schritte wahr und spürte, wie die Ketten von ihm gel?st wurden. Er schlug hart wie ein Stein auf dem eiskalten Boden auf... ein scharfer Kontrast zu seinem hei?en K?rper. Danach wurde er grob an seinen Oberarmen gepackt, nackt und halb bewusstlos über den felsigen Boden geschleift, bis er sp?ter mit einem dumpfen Aufprall in seinem silbernen K?fig landete.
?Schei?e… was haben sie… mit dir gemacht?“, keuchte Hamish neben ihm in seiner Zelle. Neil konnte ausmachen, dass er schockiert wirkte... aber er selbst hatte keine Ahnung, wie er aussah… au?er dass er splitterfasernackt war. ?Du siehst… beschissen aus.“
?Danke… für deine… Aufmunterung“, keuchte Neil und bemühte sich schmerzhaft, sich umzudrehen. ?Aber aye… ich fühle mich… beschissen“, sagte er heiser und versuchte, sich aufzusetzen.
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?Was… hat der Hurensohn mit dir gemacht?“, fragte Hamish noch einmal. Er konnte in dem Gesicht des anderen Wolfes erkennen, wie bleich er geworden war.
?Keine… Ahnung“, grunzte Neil sarkastisch. ?Ich habe irgendwann aufgeh?rt mitzuz?hlen... nach glühenden Schürhaken, scharfen Messern, Schraubenziehern… Eispickeln. Abwechslungsreich sind sie.“
Hamish sog scharf die Luft ein. ?Alter… daher das ganze Blut an deinem K?rper. Wie hast du… das nur ausgehalten?“, fragte er mit gro?en Augen, w?hrend er ihn immer noch musterte. ?Vor allem… wo sind eigentlich deine… ganzen Verletzungen? Ich sehe davon… gar nichts.“
Erst jetzt nahm Neil sich Zeit für eine k?rperliche überprüfung. Schwer und tr?ge hoben sich seine Arme, als er aufrecht sa?. Seine riesigen H?nde fuhren über seine nackte Brust, über die Arme, den Bauch und die Beine... alles eine Art der Untersuchung. Seine Stirn runzelte sich. Bis auf die Tatsache, dass sein v?llig nackter K?rper mit seinem eigenen Blut bedeckt war… besa? er absolut keine Wunde. Sie waren verschwunden… alle nacheinander. Das alles war keine Illusion oder T?uschung. Er hatte jeden Stich, jede Brandwunde und jeden verfluchten Schnitt in sein Fleisch gespürt. Diesen Schmerz, der danach gefolgt war… es war real gewesen. Das Best?tigte, warum er mit seinem Blut übergossen war. Aus jeder Verletzung hatte er geblutet, aber … von all seinen Wunden war nichts mehr zu sehen. Wie war das m?glich?
Noch einmal schaute Neil nach unten und atmete erleichtert auf. ?Ein Glück, dass er nicht auf den Gedanken gekommen ist… meinen Schwanz abzuschneiden“, sagte er brummend sarkastisch, als er sein Glied in einem Stück an ihm haften sah. ?Oder meine Eier.“
?Verflucht… findest du das witzig?“, knurrte Hamish neben ihm grimmig.
?Nein“, knurrte Neil finster zurück. ?Ich finde es nicht witzig… und ich kann deine verfluchte Frage nicht beantworten, warum ich keine Wunden mehr habe. Ich wei?… es selbst nicht“, sagte er irritiert und betrachtete seinen unversehrten, blutverschmierten K?rper, an dem das Blut bereits getrocknet und an der Haut klebte. Irgendwas stimmte hier nicht, und Neil hatte keine Ahnung, was hier vor sich ging. Aber sein K?rper zeigte eine pl?tzliche, rasante Regenerationskraft, die er zuvor noch nie an sich bemerkt hatte. Woher kam diese pl?tzlich? Vor allem, weil er immer noch diese starken Hitzeattacken hatte. Er sa? hier nackt, verspürte aber keinerlei K?lte... w?hrend er Hamish und die anderen beobachtete… sie empfanden diesen Raum eindeutig als kühl. Seit wann also… seine Gedanken stockten blitzartig, als er einen entscheidenden Gedanken fasste. Seine braunen Augen weiteten sich. Natürlich… wieso war er darauf nicht früher gekommen? Das würde einiges erkl?ren. Neil hatte ab diesem Zeitpunkt auch eine derartige Ver?nderung wahrgenommen... erst klein, was ihm keine Bedenken gegeben hatte, aber jetzt… all das… ?Natürlich… wie begriffsstutzig ich doch bin“, sagte Neil schlagartig und schlug sich eine Hand gegen die Stirn, als erkl?rte das alles. ?Wieso bin ich da nicht eher drauf gekommen?“, st?hnte er. Natürlich... er war mit der misslichen Lage besch?ftigt gewesen, mit der ganzen Folter und den Gedanken, hier auszubrechen.
?L?sst du mich an deinen Gedanken teilhaben oder… beh?ltst du das lieber für dich?“, mischte sich Hamish in Neils alleiniges Selbstgespr?ch ein.
Neils Blick richtete sich auf den anderen Wolf. Er hatte keine Ahnung, ob er ihm vertrauen sollte. Sie kannten sich überhaupt nicht. Wie lange er selbst schon hier war? Kein Schimmer... hier konnte er kein Tageslicht erkennen, um zu sagen, wie viel Zeit vergangen war. ?Weswegen sitzt du eigentlich hier?“, fragte Neil stattdessen und blickte in das wild zugewucherte Gesicht des anderen. ?Wie haben die J?ger dich bekommen?“
?Tja, gute Frage“, meinte Hamish trocken. ?Was ich nur noch wei?… ich war irgendwo auf unserem Gel?nde drau?en mit meinem Alpha auf Patrouille. Durch die Berge… als ich pl?tzlich einen Stich merkte und feststellen musste, dass ein verschissener Bet?ubungspfeil mich getroffen hatte. Als ich das erkannte, wollte ich meinem Alpha die Warnung mitteilen, aber es war zu sp?t. Im n?chsten Augenblick lag ich auf dem Boden, meine Lichter waren aus, und sp?ter wachte… ich hier auf“, erz?hlte er und deutete mit einer Hand auf seinen silbernen K?fig.
?Vielleicht bringen sie Alphas woanders hin, weil wir W?lfe oft eine starke Bindung zueinander haben“, meinte Neil darauf... was Sinn ergeben würde.
?Das glaube ich nicht“, widersprach Hamish sofort. ?Der Wolf da hinten ist ein Alpha… der in seiner Wolfsgestalt. Ich glaube, hier kommen alle Wolfswandler her.“
?Moment“, stockte Neil, und seine Stirn runzelte sich nachdenklich. ?Bedeutet das… dass dein Alpha kein Wolf ist?“
?Oh aye, du hast es erfasst“, erschien ein berechnendes Grinsen auf Hamishs Gesicht, und seine Augen loderten dunkelblau auf. Das machte seine T?towierungen am Hals noch intensiver... T?towierungen, die unter dem Oberteil verschwanden, das er Neil gegeben hatte. ?Ich stehe keinem Wolfsclan… sondern einem Drachenclan unter.“
Neil holte zischend Luft und war für einen Augenblick überrascht. ?Was macht ein Wolf… unter den Drachenwandlern?“
Hamish zuckte mit den Schultern, als w?re es nichts Schlimmes, aber in seinen dunkelblauen Augen konnte Neil den vergangenen Schmerz erkennen. ?Als ich ein Welpe war, schlachteten die J?ger mein ganzes Rudel nieder… w?re damals mein jetziger Alpha nicht vorbeigekommen und h?tte alle J?ger get?tet, w?re ich damals ebenso gestorben“, erz?hlte er seine Vergangenheit. Es schockierte Neil, sich vorzustellen, wie ein kleiner Welpe seine ganze Familie, seinen ganzen Clan und gleichzeitig sein Zuhause verloren hatte. ?Da ich nichts mehr hatte… nahm mich der Drachenclan MacLeod auf. Ich war ihnen wirklich dankbar… auch dafür, dass ich mein altes Clan ehrenvoll bestatten konnte.“
?Das… tut mir leid“, meinte Neil mit einem dicken Klo? im Hals.
?Nicht dafür… du hast mein Clan nicht niedergemetzelt, sondern die J?ger“, sagte Hamish abwehrend, aber in seinen Augen loderte ein unb?ndiger Zorn... ein Zorn, den Neil irgendwie verstehen konnte. ?Daher glaube ich, weil mein Alpha ein Drachenwandler ist, werden sie ihn woanders hingebracht haben. Ungünstig zu seinen Bedingungen… und ich hoffe wirklich, dass er das Gleiche nicht durchmachen muss“, meinte er nachdenklich. Neil erkannte an seiner Art, wie besorgt und loyal er seinem Alpha gegenüber war. ?So, jetzt habe ich ein Teil von mir erz?hlt… habe ich nun dein Vertrauen?“
?Ein wenig“, schnaufte Neil, aber er würde ein paar Informationen liefern... als Ausgleich, aber nicht ins kleinste Detail. ?Meine Schwester und mein bester Freund… sie beide sind unser Alphapaar im Rudel“, fing er an und lie? das k?nigliche Mal aus. Fürs Erste. ?Sie wollten einem aus unserem Clan helfen, weil er seinen Gef?hrten gefunden hatte... au?erhalb unserer Grenzen. Sie wollten dessen Rudel warnen und kamen mit J?gern in Kontakt. W?hrend sie mit deren Alpha sprachen, wurde deren Rudelhaus in die Luft gesprengt, worin einige aus dem fremden Rudel ums Leben kamen. Dadurch beschlossen wir, dass sie zum Schutz in unseren Rudelclan kommen sollten. Aber… auf dem Weg und kurz vor unserem Wald… griffen sie den Konvoi von Autos an, worin unsere Mitglieder sa?en und einige aus dem anderen Rudel. Einige wurden schwer verletzt, darunter auch… meine Schwester“, sagte Neil immer leiser werdend, wenn er an diesen Augenblick zurückdachte. Adair hatte mit seinem Vater und ein paar anderen Kriegern an der Front gek?mpft, w?hrend Sorcha ebenfalls ihr Bestes auf ihre Art tat… das wusste er, obwohl sie sich in Sicherheit bringen sollte. Aber sie würde nie andere Leben über ihr eigenes stellen... das wusste er als Bruder. ?Ich eilte ihr zur Hilfe, w?hrend mein Alpha und dessen Vater mit anderen Kriegern gegen den überfall der J?ger k?mpften. Es war das reinste Chaos durch die Unf?lle der Autos, die Verletzten und dann der Ansturm… meine Gef?hrtin war an meiner Seite und half uns, sie zu bek?mpfen, bis sie meine Schwester in Sicherheit brachte, weil sie bewusstlos wurde“, erz?hlte Neil weiter. Das war der Augenblick seiner Ver?nderung gewesen. Bevor er sich voller Zorn in die Schlacht gestürzt hatte, hatte er sich besorgt um seine Schwester gekümmert, die in ihrer vollentwickelten Wolfsgestalt war. Ihr flammendes, loderndes Fell war atemberaubend sch?n gewesen, aber ein Glassplitter hatte tief in ihrer rechten Flanke gesteckt. Sein Wolf war so bekümmert gewesen, dass er liebevoll und fürsorglich um die Verletzung seiner Schwester hatte kümmern wollen. W?lfe taten so etwas untereinander, wenn sie sich gegenseitig die Wunden leckten... und das hatte er… bei Sorcha getan. In diesem einen Augenblick… bevor er voller Zorn nach vorn geprescht war. Nichts ahnend, was das eigentlich ausgel?st hatte und was er in diesem Augenblick getan hatte. Seine Schwester hatte sich bis jetzt stets geweigert, ihr besonderes Blut aus Angst zu teilen und weil sie befürchtete, jemand k?nnte dadurch umkommen, aber... aus diesem einen Affekt und ihrer vollwertigen Verwandlung hatte ihm diese Situation genau das gegeben. Ihr Blut... vermischt zwischen Mensch, Wolf und Ph?nix... wanderte nun in seinem Kreislauf. Das war seine logische Erkl?rung… warum ihm so unendlich hei? war und warum er diese Ver?nderungen durchmachte. ?Tja... und danach gingen meine Lichter aus und wachte hier wieder auf.“
?Heilige… Schei?e“, keuchte Hamish auf, als er von Neil angestarrt wurde. ?Tut mir… leid, Mann… das h?rt sich auch echt beschissen an, und ich hoffe, dass es deine Schwester und alle anderen sicher zu euch geschafft haben“, versuchte er ihn irgendwie zu tr?sten.
Neil schenkte ihm ein schiefes L?cheln. ?Das hoffe ich auch. Leider… ich kann absolut keine Verbindung zu meinem Rudelclan aufbauen oder eine direkte Verbindung spüren… oder wie es allen geht.“
?Das ist auch zwecklos. Dieser Ort kappt unseren Zugang zu unseren Rudelverbindungen. Haben wir alle versucht. Null Chancen“, entgegnete Hamish.
?Nimm es mir bitte nicht übel, aber ich kann hier nicht in Details gehen, wenn es um die Sicherheit meines Rudels geht. Ich wei? nicht einmal, ob diese verfluchten Steinw?nde Ohren haben oder ob wir generell überwacht werden“, meinte Neil und blickte sich um, aber er fand keine Kameras.
?Alles gut, Kumpel, kann ich verstehen“, winkte Hamish ab. ?Aber hier werden wir nicht überwacht. Müssen sie auch nicht, weil wir nicht ausbrechen k?nnen... und diese Wachen setzen sie für andere Posten ein.“ Was einen logischen Sinn machte.
Neil dachte intensiv nach. ?Keine Wachen“, murmelte er leise und blickte weiter um sich herum. ?Irgendwas wird uns einfallen, wie wir hier herauskommen. Ich werde hier definitiv nicht bleiben, und keine Wachen… umso besser. Gemeinsam schaffen wir das.“
?Deine Worte in das Ohr unserer Mondg?ttin“, sagte Hamish schnaufend, weil er daran nicht glaubte. Aber Neil gab nicht auf.
Tiere.

